Homöopathie – was ist das?
Die Homöopathie ist eine eigenständige Heilweise mit mehr als 200-jähriger Geschichte. In ihrer Denkweise unterscheidet sie sich von der Schulmedizin. Es werden nicht nur einzelne Symptome therapiert, sondern der ganze Mensch, dessen Lebenskraft aus dem Gleichgewicht geraten ist.
In anderen Ländern ist der Umgang mit der Homöopathie selbstverständlich. In der Schweiz wird die klassische Homöopathie als eine von fünf komplementärmedizinischen Fachrichtungen von der Krankenkasse übernommen. In Indien gibt es viele homöopathische Krankenhäuser und die Homöopathie hat den gleichen Stellenwert wie die Schulmedizin. Homöopathie und Schulmedizin haben ihre Stärken und es ist ideal, wenn sich beide Systeme ergänzen.
Die Homöopathie funktioniert nach dem Ähnlichkeitsprinzip: Ähnliches möge durch Ähnliches geheilt werden – similia similibus curentur. Unser Körper reagiert auf Reize mit einer gegensätzlichen Reaktion. Zwei einfache Beispiele: Haben Sie im Winter kalte Hände und reiben diese mit Schnee ein, reagiert ihr Körper und die Hände werden warm. Eine zweite weniger bekannte Reaktion gibt es bei Verbrennungen. Wenn Sie sich beim Backen oder Grillen die Haut verbrennen, ist die häufigste Reaktion, dies mit kaltem Wasser oder Eis zu kühlen. Lassen Sie jedoch handwarmes Wasser über die nicht offene Wunde laufen, lässt der Schmerz deutlich schneller nach und eine Blasenbildung bleibt in der Regel aus. Diese Prinzipien wurden schon durch Hippokrates und Paracelsus beschrieben.
Dem Begründer der heutigen klassischen Homöopathie, Samuel Hahnemann, fiel Ende des 18. Jahrhunderts bei einem Selbstversuch auf, dass bei ihm nach Einnahme von Chinarinde ähnliche Symptome, wie bei Malaria-Erkrankten auftraten. Gab er die Rinde schwach dosiert an Malaria-Patienten, besserten sich deren Symptome deutlich oder verschwanden. Lange Zeit war die Homöopathie die vorwiegend angewandte Heilmethode in Europa und Amerika.
Die Homöopathie verwendet die Vielfalt der Symptome und deren genauere Differenzierung führt zu einer exakteren Mittelwahl. Ein weiteres Beispiel: Die Schulmedizin verschreibt bei Kopfschmerzen aller Art Schmerzmittel. Dies kann bei einmalig auftretenden Kopfschmerzen auch eine gute und schnelle Lösung sein. Bei wiederkehrenden Kopfschmerzen frägt die Homöopathie genauer ab. Wo ist der Schmerz lokalisiert: Hinterkopf, Stirn, Schläfen, hinter den Augen. Ist der Schmerz dauernd, pulsierend oder klopfend. Hängt der Schmerz von äußeren Faktoren ab, körperliche Anstrengung, Ruhe, bestimmte Haltungen oder Situationen. Ist er wetter- oder temperaturabhängig usw. Gibt es weitere Symptome im Körper während der Kopfschmerzen. Für verschiedene Arten von Kopfschmerzen hält der Homöopath verschiedene Arzneien bereit, mit dem Ziel, dass die Kopfschmerzen schnell besser werden und seltener oder gar nicht mehr auftreten.
Die Homöopathie ist nicht nur ein guter Ansatz bei wiederkehrenden oder chronischen Erkrankungen, sondern auch ein guter Helfer bei akuten Erkrankungen.
Der Homöopath ist nur so gut wie seine Beobachtungsgabe, bzw. wie gut er mit seinen Patienten die Symptome herausarbeiten und beschreiben kann. Während der Anamnese wird die Aufmerksamkeit des Patienten feiner oder genauer auf dessen Symptome gelenkt.
Hierdurch werden auch die Grenzen der Homöopathie erkennbar. Viele Erkrankungen zeigen in Ihren Anfangsstadien keine Symptome und können in dieser Phase nur schwer homöopathisch behandelt werden, wie z.B. Bluthochdruck oder Diabetes. Persönlich ziehe ich die Grenze der Behandlung, ausschließlich mit homöopathischen Arzneien, bei lebensbedrohenden Erkrankungen und bin dankbar für die Errungenschaften der Schulmedizin. Oft lassen sich jedoch unerwünschte Nebenwirkungen schulmedizinischer Behandlungen begleitend sehr gut lindern. Ein Ergänzen beider Systeme ist immer wünschenswert.
